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1904 – 1949
Das Deutsche Rote Kreuz in unserer Stadt

Im Stadtarchiv Geseke befindet sich ein Schreiben des damaligen Bürgermeisters Frettloh an die Bürger der Stadt Geseke (siehe Vorseiten). In diesem Schreiben lädt er, dem Aufruf des Provinzialvereins vom Roten Kreuz folgend, die Bürger zum Beitritt in das Deutsche Rote Kreuz ein. Bei genauerem Lesen muss aber festgestellt werden, dass es hierbei offensichtlich nicht um den Beitritt in einen örtlichen Verein des Deutschen Roten Kreuzes  handelt, sondern viel mehr als förderndes Mitglied des Kreisvereins / Provinzialvereins und einen  Jahresbeitrag von 1,00 Mark entrichten solle. Ob schon zu diesem Zeitpunkt Bestrebungen liefen einen örtlichen Verein zu Gründen ist nicht bekannt, jedenfalls konnten bisher keine Dokumente hierüber gefunden werden.

Fest steht aber an Hand der alten Dokumente:
Die Geschichte der DRK-Bereitschaft Geseke begann am 25. Mai 1904. An diesem Tag wurde die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Geseke, die heutige Bereitschaft, gegründet. Die „Männer der ersten Stunde“ waren der Bahnmeister Brüll (Vorsitzender und Kolonnenführer), Kaufmann Bartscher (stellvertretender Vorsitzender), Polizei-Sergeant Hugo Wolf (Kassenführer), Stadtsekretär Josef Müssen (Schriftführer), Kaufmann Anton Bertelsmeyer (Depotverwalter) und San.-Rat Dr. Josef Schulte (Kolonnenarzt). Diese sechs Bürger unserer Stadt, die sich unter dem Zeichen des Roten Kreuzes zusammengefunden hatten, riefen damals eine karitative Organisation in Geseke ins Leben, deren viele Mitglieder über 100 Jahre hinweg bis zum heutigen Tage meist unbeachtet und in aller Stille Dienst am Nächsten praktizierten. Die Gründung wurde am 4. Dezember 1903 zum ersten Mal angeregt. Dies geht aus einem Protokoll einer Vorstandsversammlung der Lippstädter Sanitätskolonnen hervor. Dieser Sitzung zufolge, wurden die Eintragungen für einen Augenblick unterbrochen, da ein als Gast anwesender Herr aus Geseke, der wieder abreisen musste, den Vorschlag unterbereitete, eine Abteilung in Geseke zum Beitritt zuzulassen. Wer dieser Initiator war, konnte bei den Recherchen nicht festgestellt werden. Der Aufbau der Geseker Sanitätskolonne wurde von Lippstadt wesentlich unterstützt, wenn in den Anfängen auch Geldmittel dafür fehlten. Finanzsorgen gehörten damals zu den größten Schwierigkeiten, mit denen die Gründer konfrontiert wurden.

Neuer Vorsitzender: Wolf
Nach der Pensionierung des Vorsitzenden, Bahnmeister Brüll, und dem Ausscheiden des 2. Vorsitzenden, Josef Bartscher, der sein Amt aus beruflichen Gründen niederlegte, wurde Hugo Wolf zum Vorsitzenden und zu seinem Stellvertreter Schlossermeister Adolf  Kißler gewählt. Ein Verzeichnis vom 2. März 1905 zählt 29 aktive Mitglieder. Am 2. März 1905 erteilte das Königlich Preußische Kriegsministerium die Zulassung zur Unterstützung des militärischen Sanitätsdienstes im Kriegsfalle. Am 18. Juni 1906 erfolgte die Erlaubnis vom Zentralkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz zum Führen des Roten Kreuzes. Aus den weiteren Protokollen und den Akten geht hervor, dass die Kolonne Geseke sich an vielen Übungen, die teilweise im Verein mit benachbarten Kolonnen durchgeführt wurden, weiter ausbildete. Daneben herrschte ein reges Vereinsleben. Die Veranstaltungen und Tagungen der Zentralvereine wurden regelmäßig durch Delegierte besucht. Energisch wurde in den nächsten  Jahren an der Ausbildung der Kolonne gearbeitet, stets das Ziel vor Augen: „Für den Ernstfall gerüstet zu sein!“. Dieser Ernstfall traf nur allzu schnell ein. Die ersten Anzeichen des nahenden Krieges machten sich bemerkbar. In den Akten aus jener Zeit befindet sich eine Karte des Landrates von Büren, in der die Besichtigung eines Übungsgeländes abgesagt wurde. Die Kolonne Geseke wollte sich an den Kriegsspielen der Kriegsvereine und der Jugend im Kreise Büren beteiligen, hieß es in den historischen Unterlagen. Auf einer Karte schrieb der Landrat Winkelmann an die Kolonne: „In Anbetracht der ernsten Lage findet die für morgen bei Wulfstal in Aussicht genommene Besichtigung nicht statt“. In einer Rücksprache mit dem Landrat des Kreises Büren wurde die Kolonne Geseke ersucht, den Verwundetentransport nach den, vom stellvertretenden Generalkommando in Salzkotten und Büren eingerichteten Vereinslazaretten zu übernehmen. Auch in Geseke war gleich zu Beginn des Krieges ein Lazarett im  Krankenhaus eingerichtet worden. Die Geseker Kolonne hatte mit dem reduzierten Mitgliederbestand alle Hände voll zu tun, um die Transporte der Verwundeten und Kranken zum Lazarett auszuführen. Von ihren Mitgliedern verlor die Kolonne Geseke während des Ersten Weltkrieges fünf Mitglieder: Franz Grewe starb im Lazarett, Wilhelm Schreiner, Josef Flick und Wilhelm Wienhaus fielen an der Front, Wilhelm Engels wurde als vermisst erklärt.

Vereinsleben unterbrochen
Bis Februar 1915 schleppte sich das  Vereinsleben fort, um dann aufzuhören, vermutlich weil die wenigen Mitglieder keine Zeit hatten, Versammlungen zu besuchen. Nach dem Krieg, am 11.Juli 1919, lebte die Kolonne Geseke wieder auf. Ein neuer Vorstand wurde gewählt und das Vereinsleben bekam einen neuen Aufschwung. Das 20jährige Bestehen wurde glanzvoll begangen. Auch die Anerkennung der vorgesetzten Organisation blieb nicht aus. Mehrfach wurde der Kolonne Geseke für ihre geleistete Arbeit und ihre gute Organisation Anerkennung und Lob ausgesprochen. Trotz vieler Schwierigkeiten ging die Kolonne unter ihrem Kolonnenarzt Dr. Schulte ihrer selbstlosen Aufgabe nach. Es war ein schwerer Schlag, als am 20. Mai 1920 Dr. Schulte verstarb. Aber in Dr. Böhmer wurde ein vollwertiger Nachfolger gefunden. An dem Tag ihres 25jährigen Jubiläums zählte die Kolonne 29 aktive und 86 passive Mitglieder, von denen Hugo Wolf und Anton Bertelsmeyer zu den Gründern gehörten. Der damalige Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:  Kaufmann Anton Bertelsmeyer (Vorsitzender), Zimmermeister Konrad Engels (Kolonnenführer), Zimmermeister Fritz Sternberg (stellvertretender Kolonnenführer), Zigarrenhersteller Wilhelm Menke (Rechnungsführer), Färbereibesitzer Carl Petersson (Schriftführer), Former Hans Ramm (Depotverwalter) und Dr. med. Emil Nöll (Kolonnenarzt).

25-jähriges Jubiläum
Am Sonntag, 21. Juli 1929, fand das 25jährige Jubelfest unter zahlreicher Beteiligung der Bezirks- und Nachbarkolonnen statt. Mit der Jubelfeier war eine Tagung des Bezirksverbandes der Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz Arnsberg-Nordost verbunden. Die Stadt wurde festlich geschmückt, die Bürgerschaft nahm großen Anteil an den Veranstaltungen. Bürgermeister Boßler überbrachte den Gästen und der Kolonne die Grüße der Stadt Geseke. Als Ehrengäste waren der Generalinspekteur, Regierungs- und Medizinalrat Dr. Burgunder aus Münster, der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Kolonnenführer Kramer aus Hamm, Landrat Freiherr Raitz von Frentz aus Lippstadt, und viele anderer erschienen. Die Kolonne Geseke zählte am 1. April 1934 45 Aktive und 82 passive Mitglieder. In der Stadt Geseke wurden 5 Verbandsstationen errichtet, die von der Bevölkerung sehr oft in Anspruch genommen wurden.

425 Verbände wurden angelegt, sowie 62 Krankentransporte durchgeführt. Auch die von der Kolonne ausgebildeten ländlichen Sanitätsposten in Störmede, Langeneike, Ermsinghausen, Ehringhausen und Bönninghausen wurden stark in Anspruch genommen. Bei 24 sportlichen Veranstaltungen war die Kolonne präsent. Durch Verfügung des Deutschen Roten Kreuzes vom 26.04.1935 sind die freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz des Kreises Lippstadt umgestaltet worden. Zum Zugführer des neu gebildeten allein stehenden Sanitätszuges Geseke wurde Zimmermeister Konrad Engels, zum Zugarzt Dr. Nöll, zum Schriftwart Karl Peterson, zum Kassenwart Franz Grewe sowie Heinrich Ramm zum Zugwart durch den Kreiskolonnenführer Dr. Schlaudraff berufen. Ebenfalls konnte in diesem Jahre der Sanitätszug Geseke erstmals Einsatzkräfte für den Luftschutz stellen. Aus den folgenden Jahren lagen infolge der Zeitverhältnisse nur dürftige Unterlagen vor. Die Tätigkeit der Mitglieder beschränkte sich in der Hauptsache auf den Transport Kranker und gebrechlicher mit Hilfe einer fahrbaren Krankentrage zum städtischen Krankenhaus. Im Verlaufe des Krieges, nach den Bombenangriffen auf unserer Stadt, wurde die Geseker Kolonne stark in Anspruch genommen. Die wenigen Mitglieder legten die ersten Notverbände an und führten den Transport der teilweise schwer Verwundeten durch. Bei allen Bombenangriffen auf die Stadt war die Geseker Kolonne zur Stelle und diente nach Kräften in treuer Pflichterfüllung der Allgemeinheit. Groß war der Dank an alle, die damals „Erste Hilfe“ leisteten.

Besonderes Lob der Geseker Kolonne galt den Lippstädter Bereitschaften, die in bester Kameradschaft halfen. In den Aufzeichnungen aus dieser Zeit wurde die Lehrerin Elisabeth Bürger besonders lobend erwähnt. Sie führte jahrelang die weibliche DRK-Bereitschaft. Nach dem Kriege fand sich die Geseker Kolonne nur langsam wieder zusammen. Unter dem Bereitschaftsführer Konrad Engels wurden Kurse veranstaltet. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern wuchs und führte zu treuer Kameradschaft. Konrad Engels musste wegen eines schweren Unfalls, der ihn an das Bett fesselte, seinen Posten als Bereitschaftsführer niederlegen.
 
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